Donnerstag, 18. April 2013

Erläuterungs-Wiki




Danke, Rolf Dieter

http://de.wikipedia.org/wiki/Being_John_Malkovich


Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975):

T a d W i J

Ein Stück Draht, krumm

ausgespannt, zwischen zwei

kahlen Bäumen, die

bald wieder Blätter

treiben, früh am Morgen

hängt daran eine

frisch gewaschene

schwarze Strumpfhose

aus den verwickelten

langen Beinen tropft

das Wasser in dem hellen

frühen Licht auf die Steine.



ana  äs  cho  gisch  his im  ly  ma  mar  nent  olo  psy  re  

risch  so  the  tions  tisch  tisch  tisch  to  werk  xis  zep  zi





Literatur und Interpretation:

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____________________________________           ANSÄTZE

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Mittwoch, 10. April 2013

A. Interpretation eines epischen Textes

ad 1)  „Die Klavierstunde“; Gabriele Wohmann, Kurzgeschichte, Hamburg 1962;
Inhalt: unmittelbare Vorbereitungen auf die Klavierstunde von Schüler (widerwilliges „Annähern“ an den Ort) und der Lehrerin (unwilliges Erwarten des Schülers) erzählt durch alternierenden Perspektivenwechsel (analog Metronom: wechselseitiger Ausschlag bei gleichzeitiger Beschleunigung/Erhöhung der Taktzahl);
Thema: Unfähigkeit zur Kommunikation, Unterordnung gesellschaftlicher Konventionen; Aufzeigen bürgerlicher Konventionen und des Verhaftetseins deren Träger


ad 2) Charakterisierung des Jungen:
-          Personifikationen (1-3): quasi-physische Bedrohung durch die Umwelt
-          sehr häufig elliptischer Satzbau: innere Unruhe, Panik
-          typisches Kind: spielte lieber auf der Straße, als zum Unterricht zu gehen
-          gutbürgerliches Umfeld

Charakterisierung der Lehrerin:
-          Ausruf/Wiederholung: „Ohwehohwehohweh“: Bedrohung durch den Schüler
-          gutbürgerliches Umfeld
-          beste Jahre hinter sich


Kernmetapher „Metronom“: Personifikation („tickte laut und humorlos“); Ausweglosigkeit der Situation für beide Protagonisten

Parallelismus: „widerlicher Kerl“ – „widerliche Tante“

Abwesenheit von Dialog außer der Begrüßungsfloskel

Parenthese („von wem nur...): Parallelwelten der doch so unterschiedlichen Protagonisten, die in Bezug auf die Klavierstunde einander so ähnlich sind




B. ANALYSE EINES DRAMATISCHEN TEXTES -  Dog eat Dog - Raus aus Baumheide1 (2004)/ Nuran Calis (*1976)

a) Bitte fassen Sie  den Text nach einer knappen Vorstellung zusammen.
b) Bitte charakterisieren Sie die Hauptfiguren und zeigen Sie, wie der Autor dabei Sprache einsetzt.

a) Im 6. Bild des 2. Aktes des 2004 in der Anthologie „Theater Theater“ veröffentlichten Schauspiels „Dog eat Dog - Raus aus Baumheide“ von Nuran Calis treffen der 18jährige Serkan, der als Türsteher in einer Diskothek arbeitet, und die 17jährige Pola nachts an einer Bushaltestelle in Baumheide, einer Plattensiedlung im Nordosten Bielefelds, aufeinander. Serkan will wissen, warum sich Pola, die er bereits beobachtet hat, jede Nacht hier aufhält. Das von Neugier wie auch skeptischer Distanz geprägte Gespräch, in dessen Verlauf beide zu erkennen geben, dass sie bereits voneinander wissen, schlägt bald in offene verbale Aggression um. Beide beschimpfen sich in verletzender Weise, indem sie sich gegenseitig wegen ihrer sozialen Herkunft und ihrer Lebensgewohnheiten beleidigen und demütigen, scheinen sich dieses Verhalten letztlich jedoch nicht übel zu nehmen und verabreden sich für die nächste Nacht.
Im 4. Bild des 3. Aktes verrät Pola Serkan in einem langen Monolog, warum sie jede Nacht an der Bushaltestelle ausharrt. Sie will den Blick der Menschen sehen, die mit dem Bus in den Süden ans Meer fahren und der voller Erwartung ist. Er weckt die Sehnsucht in Pola, aus der Plattensiedlung Baumheide wegzugehen, die sie wie Serkan noch nie verlassen hat, um ihrem tristen Alltag zu entkommen.
Dann gibt sie zu erkennen, dass sie sehr genau über Serkans familiäre Situation Beschied weiß und offenbart ihm, dass sie Schauspielerin werden will. Serkan ist von Polas Ausführungen verhalten fasziniert

b) 2. Akt, 6. Bild:
·        Serkan zeigt Interesse an Pola und gesellt sich eines Nachts an einer Bushaltestelle zu ihr und bringt ihr ein von ihr dort verlorenes Buch.
·        Pola spricht ihn recht offensiv an und übernimmt die Redeführung: „Was machst du hier?“ (Z. 5) - „Woher wusstest du ...?“ (Z. 6)
·        Dialog mit jeweils kurzen Redeanteilen mit der Funktion sich in einem von Pola dominierten Frage- und Antwortspiel bekannt zu machen (kurze wechselseitige Fragen und häufig elliptische, umgangssprachlich geprägte Antwortsätze - „Woher weißt du das?“ Z. 18 - „Stand hier drin.“ Z. 19)
·        erste negative Reaktionen Polas auf Serkans Job als Türsteher in der Diskothek GLASHAUS: Fäkalsprache mit dreimaliger Variation des Wortes „Scheiße“: „Scheiß-Laden. Geh ich nicht hin, ein Haufen verschissener Hosenscheißer ...“ (Z. 22-23)
·        Schlagabtausch in schneller Redefolge in elliptischen, umgangssprachlichen Sätzen: „Bist der Chef, was.“ - „Bin ich nicht ...“ - „Das ist Chef.“ - „Ist es nicht.“ (Z. 25-28)
·        Pola zeigt deutlich und in ironisch abwertender und derber Weise („Bist’n brutaler Schläger.“ Z. 29 - „Wie ehrenvoll.“ Z. 34 - „Verpiss dich, du Pflaume ...“ Z. 38), was sie von Serkans Beschäftigung hält. Sie geht auf Distanz zu ihm und reizt ihn dadurch.
·                    Serkan reagiert zunächst fast sachlich-rechtfertigend („Ich mach es ja nicht zum Spaß. Ich verdiene mein Geld damit.“ Z. 32-33), später dann verbal aggressiv und derb: „Verarsch mich nicht, Mädchen.“ (Z. 35) - „Du fängst dir gleich ein paar.“ (Z. 39)
·        Dieser grob wirkende Dialog scheint jedoch Teil des normalen und auch gewohnten Umgangstons zu sein, da ab Z. 43 Serkan trotz der wiederholt recht deutlichen Abweisung durch Pola (Z. 36, 38, 42, 44, 46) nicht locker lässt und wieder ganz ruhig nach dem Grund ihres Hierseins fragt.
·        Ganz plötzlich kippt jedoch die Stimmung wieder in offene verbale Aggression um:
Serkan beschimpft Pola in einem längeren Monolog (Z. 49-64) in verletzender, herabsetzender Weise, indem er sie mit einer Kaskade derber Vorwürfe in wüster, sexuell aufgeladener Gossen- und Fäkalsprache („Fotze“, Z. 52 - „Arsch“, „Titten“, Z. 57 - „Muschi“, Z. 58 - „Lastwagenficker“, Z. 59 - „schwule Scheiße“, Z. 62 - „Möse“, Z. 64) wegen ihrer sozialen Herkunft und ihrer von der anderer in der Siedlung lebender Mädchen abweichenden Lebensgewohnheiten beleidigt, demütigt und so verächtlich auf sie herabsieht. Er stellt sie als verachtenswürdige Außenseiterin ohne Moral dar, mit der keiner Kontakt haben möchte, weil sie sich (angeblich) prostituiert und sich anders verhält als von den Jungs und Mädchen der Umgebung erwartet.
Hier zeigt sich eine milieubedingte verbale Hasstirade, die den Jargon des Gangsta-Rap imitiert (GLASHAUS - Hip-Hop-Szene); eine Art verbaler Trieb­abfuhr, ein Selbstbestätigungsritual, um Überlegenheit, Coolness und vor allem Distanz zu signalisieren. Gefühle werden so, erhaben über jeden Verdacht von mitfühlender Anteilnahme und von Interesse, kaschiert. Angst vor dem Anderen, Fremden mischt sich mit Interesse und Neugier. Faszination und Abscheu liegen im Widerstreit.
·        Pola steht in ihrer Reaktion Serkan in nichts nach und spricht ihm und dessen Clique in ebenso verletzender, herabsetzender Weise und in derber, sexuell aufgeladener Gossen- und Fäkalsprache die Existenzberechtigung als menschliche Wesen ab („Ihr unbedeutenden dummen Scheißfliegen ..., ihr kleinen Kohlenstoffverbindungen“, Z. 70-71 - „ihr kleinen Scheißköpfe“ (Z. 74) und verflucht sie in einer an die Sprache der Bibel erinnernden Weise und wünscht ihnen den Tod durch die dort erwähnten Himmelsstrafen („... über euch sollte ein großes Feuer kommen oder ein großer Regen ...“, Z. 72-73).
·        An beiden prallen die fast rituell vorgetragenen Anfeindungen scheinbar wirkungslos ab („Pola kichernd“ - Regieanweisung Z. 65), als sei dies der gewohnte Umgangston, die Schutzpanzerung, um sich vor Zuneigung und Interesse zu schützen. Als sei nicht geschehen verabreden sie sich am Ende der Szene.
·        Die Begegnung von Serkan und Pola zeigt die milieubedingte Unfähigkeit offen und respektvoll miteinander umzugehen. Sprache dient gleichermaßen als Waffe wie als Schutzmechanismus. Beide wollen etwas voneinander, sind jedoch nicht in der Lage eine den Gefühlen entsprechende Sprache und Kommunikationsstruktur zu wählen.

3. Akt, 4. Bild:
·        kurzer verbaler Schlagabtausch zwischen Pola und Serkan zur Begrüßung (Z. 81-90), der wieder von Sticheleien geprägt ist
·        großer Monolog Polas, der die Szene bestimmt (Z. 91-125)
·        Pola verrät Serkan, warum sie jede Nacht an der Bushaltestelle ausharrt: Sie will den Blick der Menschen sehen, die mit dem Bus in den Süden ans Meer fahren („...ich will ihren Blick sehen, das Funkeln in ihren Augen, den Blick des Nicht-mehr-abwarten-könnens-um-endlich-dort-anzukommen“, Z. 106-107). Er ist voller Erwartung und weckt die Sehnsucht in Pola, aus der grauen Plattensiedlung Baumheide wegzugehen, die sie wie Serkan noch nie verlassen hat, um ihrem tristen Alltag zu entkommen.
Sie erzählt Serkan von ihren Vorstellungen vom Meer, das sie in bunten Farben schwärmerisch als Ort ihrer Sehnsucht darstellt: „Dort aber kann man, wenn man auf das Meer blickt, man kann dann, an schönen Tagen, kann man dann, oh, dann kann man, man kann dann ...“ (Z. 109-110). Dort spielt die intakte Natur eine wesentliche Rolle. Das Leben bekommt Farbe („... dann sieht man die herrlichsten Blautöne ...“ Z. 114) und Weite („... wenn man auf das Meer blickt ... kann man ... weit sehen“ Z. 109-114). Und Pola ist Teil dieser neuen Welt („... und ich bin umgeben von Dutzenden Möwen ...“ Z.99-100). Pola denkt sich hinaus ins selbstbestimmte freie Leben und weiht Serkan - in scharfem Kontrast zu ihrem Verhalten im 6. Bild des 2. Aktes - in ihre intimsten Gedanken ein, nimmt ihn mit auf ihre Fantasiereise (z. B. mit rhetorischen Fragen: „... hast du schon mal weiter als hundert Meter gesehen?“ Z. 108).
·        Pola bricht die Sprachhülsen eines aggressiven Milieus zugunsten einer schwärmenden, erzählenden Sprache auf, die den anderen nicht attackiert, sondern einbezieht und so nicht feindliche Distanz schafft, sondern Nähe ermöglicht.
·        Pola spricht Serkan direkt an und teilt ihm sachlich und offen mit, was sie über ihn als Menschen hinter seiner Rolle weiß (Z. 119-125). Sie demaskiert ihn ohne ihn zu verletzen und ermöglicht ihm so, ihr zu glauben, zu vertrauen (Z. 133-134), zumindest mit ihr zu träumen (Z. 135).

·        Mit ihrem Berufswunsch Schauspielerin wählt sie sich die Möglichkeit, in beliebige Rollen zu schlüpfen in der Hoffnung die Menschen zu sich selbst zu führen und ihnen Mut zur Veränderung zu geben. So agiert sie auch Serkan gegenüber, dem sie auch Mut machen will („... es ist eigentlich ganz einfach, weißt du das?“ Z. 132) und der letztlich widerstandslos bereit zu sein scheint, ihr zu folgen: „Ich glaube dir alles, Mädchen.“ (Z. 133-134)

Montag, 8. April 2013

...total geheimer Schülerlösungsversuchsaufsatz





Die Entführung – Milena Moser
Die vorliegende Kurzgeschichte wurde von Milena Moser verfasst. Die Geschichte ist im Jahr 2008 im Buch „Schlaglichter. Zwei  Dutzende Kurzgeschichten“  in Stuttgart erschienen. Der Inhalt des Textes lässt sich grob in zwei  Handlungsstränge gliedern, zwischen denen die Autorin im Verlauf des Textes immer wieder wechselt. Die Rahmenhandlung ist eine alltägliche Straßenbahnfahrt  aus der Perspektive der Trambahnfahrerin. Man kann aber auch einen sogenannten inneren Monolog erkennen, in dem die Trambahnfahrerin in Gedanken ist. Sie beschreibt einen Ausschnitt aus der Trambahnfahrt, wo sie über die Unannehmlichkeiten in Ihrem Beruf berichtet. Sie berichtet aber auch über das äußerliche Erscheinungsbild eines Fahrgastes, von dem die Straßenbahnfahrerin sehr angetan ist, deshalb macht sie einen Umweg, da dieser Fahrgast die falsche Bahn genommen hat, nur um Ihn länger sehen zu können. Die Straßenbahnfahrerin träumte auch von einem Unfall, den sie verschuldet hatte, wo sich dann dieser Fahrgast um Sie kümmerte und sagte, dass er Sie gerne kennenlernen möchte.

Betrachtet man das äußerliche Erscheinungsbild der Straßenbahnfahrerin wird klar, dass der Text nur wenig über Ihr Äußeres preisgibt. Lediglich die Formulierung in Zeile 62ff („Man kauft sich an jeder Endstation einen Schokoladenstängel, nur um ein bisschen mit dem Kioskverkäufern zu plaudern, und wird in kürzester Zeit dick und fett.“). Dadurch kann man auch erkennen, wie abgestumpft Sie durch Ihren Beruf ist, den sie schon seit zwei Jahren ausübt, „Seit zwei Jahren saß ich in der Kabine“ (Z. 59). In den Zeilen 28f („Nach kurzer Zeit schon fährt man wie im Schlaf, gewissermaßen wie ein Automat, aber in Gedanken weit weg“) wird klar, dass Ihr Alltag nicht anspruchsvoll und ereignislos verläuft und dies auch der Grund für Ihr Verhalten und ihre gescheiterte Ehe ist, da Sie sich regelrecht gehen lässt, was man aus den Zeilen 74ff erkennen kann („Frau Hess lag auf meinem halbweißen Wohnzimmerteppich, nackt um meinen Mann geschlungen. Ich stand an der Tür, müde, verschwitzt, in dieser Fruchtbaren Uniform , die auch schon zu eng wurde, ich stand da und bekam den Schluckauf.“). Auch durch die Formulierungen in den Zeilen 88ff („Ich könnte Ihn entführen. Schmeiß die anderen Idioten raus. Fahr mit Ihm durch die Stadt.[…]an denen man ganz sicher ungestört ist…) kann man erkennen, dass Sie durch Ihren Beruf und privaten Leben sehr einsam ist. Betrachtet man das Gesamtbild der Figur kann man erkennen, dass die Straßenbahnfahrerin einsam und abgestumpft, da Ihr Beruf langweilig und eintönig ist. Deshalb verspürt Sie auch den Reiz, etwas aufregendes zu erleben.

Donnerstag, 21. März 2013

Musterhafte Musterlösung


Schweigeminute – Siegfried Lenz
Der vorliegende Auszug stammt aus der Novelle „Schweigeminute“ und wurde von Siegfried Lenz verfasst.

Das Werk ist im Jahr 2008 bei dem Verlag „Hoffmann und Campe“ in München erschienen.

Der Inhalt des Textes lässt sich grob in zwei Handlungsstränge gliedern, zwischen denen der Autor im Verlauf des Plots regelmäßig hin- und herspringt.

Die Rahmenhandlung bildet eine zu Ehren einer verstorbenen Lehrerin abgehaltene Trauerfeier, die in der Aula einer Schule stattfindet.

Dieser Teil der Novelle nimmt eine eher untergeordnete Rolle im Kontext ein, es werden von Zeit zu Zeit der Ablauf der Trauerfeier und der unterschiedliche Umgang der Schüler und des Lehrerkollegiums mit der Situation geschildert.

Lenz allerdings benutzt diesen Handlungsstrang um mit Hilfe der aufgezeigten Gedanken eines Schülers eine Brücke zur Binnenerzählung zu schlagen. In dieser lässt eben dieser Schüler, Christian, sein Verhältnis  zu der verstorbenen Lehrerin, Stella Petersen, und einige mit Ihr erlebte Ereignisse Revue passieren.
Christian beschreibt einen nächtlichen Hotelaufenthalt, den er mit Stella erlebt hatte. Ebenso wird die Enttäuschung des Schülers dargestellt, nachdem seine Lehrerin nach der gemeinsamen Nacht nicht die von Ihm gewünschte Reaktion in der Schule zeigt.

Etwas ausführlicher zeigt der Autor einen Besuch Christians bei Frau Petersen. Bei diesem muss er erfahren, dass Stella, anders als er keine dauerhafte Beziehung wünscht. Er wird deutlich dargestellt, wie Sie sich von Ihrem Liebhaber distanziert, auch um Ihre berufliche Zukunft nicht zu gefährden.

Beleuchtet man die gedanklichen Ausflüchte des Schülers, so fällt auf dass Siegfried Lenz regelmäßig von einer sprachlichen Besonderheit Gebrauch macht. Oft sind Überlegungen keine reinen Nacherzählungen, Christian lässt die vergangenen Ereignisse vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen und fügt teilweise eine weitere Sprachebene ein. Er kommentiert die Situation, überlegt wann er hätte  anders agieren können, er gibt manchmal sogar seinen Gefühlszustand zu dem jeweiligen Zeitpunkt wieder oder spricht in Gedanken zu der Verstorbenen.

Diese Thematik ist auch ein wichtiger Aspekt, wenn das Verhältnis der beiden Figuren zueinander betrachtet wird.

Christian, ist ein älterer Schüler der Oberstufe am Lessing-Gymnasium (Z.8f. „auf dem das gleiche nachsichtige Lächeln lag, das wir, die ältesten Schüler, aus deiner Englischstunde kannten“).

Sein Auftreten kann als eher unsicher beschrieben werden, Formulierungen wie in den Zeilen 73-75 („Ich war unruhig […] Ich suchte Ihren Blick, doch Sie übersah mich, strafte mich fast gleichgültig“) lassen darauf schließen, dass er wertgeschätzt werden will und Bestätigung bei seiner Lehrerin sucht.

Gedanken wie „Du neigtest mir dein Gesicht zu, Stella und ich küßte dich“ (Z.31f.) sind erfüllt von Sehnsucht, zeigen aber gleichzeitig auch die Faszination Christians von dieser Frau, des Weiteren lässt sich auch ein gewisser Stolz darin ablesen.

Die bereits oben erwähnte rezensionelle Betrachtung der vergangenen Erlebnisse untermauert die These der anhaltenden Bewunderung.

Das Verlangen nach einer Erhaltung der Beziehung zeigen auch noch andere Textstellen, beispielsweise der Ausspruch „Wir müssen und Wiedersehen, Stella“ (Z.62) der von Ihm nach der Nacht im Hotel getroffen wird.

Das Zitat „An der Tür blieb ich stehen, ich dachte, daß etwas gesagt werden müsste[…], ich unterließ es, weil ich es vermeiden wollte, etwas Endgültiges zu äußern oder was Stella als etwas Endgültiges auffassen könnte, ich wollte nicht, daß etwas aufhörte, das so unvermutet begonnen hatte und wie von selbst nach Dauer verlangte“ (Z. 54-58) spiegelt einerseits wiederum die Unsicherheit des Protagonisten wieder, außerdem zeigt sich bereits hier, dass sich Christian eine dauerhafte Beziehung wünscht.


Will man die Figur der Stella beschreiben, fällt auf, dass der Text nur wenig über Ihr Äußeres preisgibt.

Lediglich die Formulierung in Zeile 9 („Dein kurzes schwarzes Haar“) gibt Auskunft über die Beamtin. Analysiert man jedoch die inneren Überzeugungen so lassen sich einige Eigenschaften feststellen, die im Gegensatz zu denen des Schülers stehen. Zwar hat Sie anscheinend den Aufenthalt im Hotel genossen, da Sie Christian mit „Aber wir können uns doch wiedersehen.“ „Wir werden es“ (Z.65f.) verabschiedet, allerdings hegt Sie bereits früh Misstrauen bezüglich der Alltagstauglichkeit dieses Verhältnisses (Z.66f. „Doch es kann nicht so sein wie früher.“).

Auch als der junge Mann nach der gemeinsamen Nacht auf ein Zeichen Ihrerseits hofft, enttäuscht Sie Ihn (Z.74f. „Auch nach der Stunde, auf dem Korridor, gingst du an mir vorbei, ohne den Blick zu heben“). Im Verlauf des Textes wird immer deutlicher, dass Frau Petersen im Gegensatz zu Ihrem Liebhaber keine dauerhafte Beziehung wünscht.

Vergleicht man letztlich beide Charaktere kann eine überwiegend kontrastierte Beziehung erkannt werden.
Während Christians Einstellung zu der Beziehung und sein Wunsch danach in allen Teilen des Novellenauszugs belegt werden kann, ist die Figur der Lehrerin weniger statisch. Zunächst ist Sie von dem Reiz der Affäre angetan, auch, oder gerade weil Ihr die Brisanz dieser durchaus bewusst ist.

Allerdings gerät im weiteren Handlungsstrang  eine gewisse Dynamik in die Figur, Stella erkennt, dass die Beziehung keine Zukunft haben kann, also siegt letztendlich die Vernunft über Ihre vorherigen Glücksgefühle, die der Reiz des Verbotenen ausgelöst hatte.




Schweigeminute – Siegfried Lenz

Der vorliegende Auszug stammt aus der Novelle „Schweigeminute“ und wurde von Siegfried Lenz verfasst. Das Werk ist im Jahr 2008 bei „Hoffmann und Campe“ in München erschienen. (Basissatz)

Der Inhalt des Textes lässt sich grob in zwei Handlungsstränge (Besonderheit in Sprache oder Struktur) gliedern, zwischen denen der Autor im Verlauf der Handlung regelmäßig hin- und herspringt. Die Rahmenhandlung (Struktur) bildet eine zu Ehren einer verstorbenen Lehrerin abgehaltene Trauerfeier, die in der Aula einer Schule stattfindet. Dieser Teil der Novelle nimmt eine eher untergeordnete Rolle im Kontext ein, es werden von Zeit zu Zeit der Ablauf der Trauerfeier und der unterschiedliche Umgang der Schüler und des Lehrerkollegiums mit der Situation geschildert. Lenz allerdings benutzt diesen Handlungsstrang um mit Hilfe der aufgezeigten Gedanken eines Schülers eine Brücke zur Binnenerzählung (Struktur) zu schlagen. In dieser lässt eben dieser Schüler, Christian, sein Verhältnis  zu der verstorbenen Lehrerin, Stella Petersen, und einige mit Ihr erlebte Ereignisse Revue passieren. Christian beschreibt einen nächtlichen Hotelaufenthalt, den er mit Stella erlebt hatte  (Szenisches Präsens). Ebenso wird die Enttäuschung des Schülers dargestellt, inachdem seine Lehrerin nach der gemeinsamen Nacht nicht die von ihm gewünschte Reaktion in der Schule zeigt. Etwas ausführlicher zeigt der Autor einen Besuch Christians bei Frau Petersen. Bei diesem muss er erfahren, dass Stella, anders als er keine dauerhafte Beziehung wünscht. Er wird deutlich dargestellt, wie Sie sich von Ihrem Liebhaber distanziert, auch um Ihre berufliche Zukunft nicht zu gefährden. 197 (Inhaltswiedergabe - Aufgabe a))

Beleuchtet man die gedanklichen Ausflüchte des Schülers, so fällt auf dass Siegfried Lenz regelmäßig von einer sprachlichen erzähltechnischen Besonderheit Gebrauch macht. Oft sind Überlegungen keine reinen Nacherzählungen, Christian lässt die vergangenen Ereignisse vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen und fügt teilweise eine weitere SprachErzählebene ein. Er kommentiert die Situation, überlegt wann er hätte  anders agieren können, er gibt manchmal sogar seinen Gefühlszustand zu dem jeweiligen Zeitpunkt wieder oder spricht in Gedanken zu der Verstorbenen. 72

Diese Thematik ist auch ein wichtiger Aspekt, wenn das Verhältnis der beiden Figuren zueinander betrachtet wird. Christian, ist ein älterer Schüler der Oberstufe am Lessing-Gymnasium (Z.8f. „auf dem das gleiche nachsichtige Lächeln lag, das wir, die ältesten Schüler, aus deiner Englischstunde kannten“). Sein Auftreten kann als eher unsicher beschrieben werden, Formulierungen wie in den Zeilen 73-75 („Ich war unruhig […] Ich suchte Ihren Blick, doch Sie übersah mich, strafte mich fast gleichgültig“) lassen darauf schließen, dass er wertgeschätzt werden will und Bestätigung bei seiner Lehrerin sucht. Gedanken wie „Du neigtest mir dein Gesicht zu, Stella und ich küßte dich“ (Z.31f.) sind erfüllt von Sehnsucht, zeigen aber gleichzeitig auch die Faszination Christians von dieser Frau, des Weiteren lässt sich auch ein gewisser Stolz darin ablesen. Die bereits oben erwähnte rezensionelle Betrachtung der vergangenen Erlebnisse untermauert die These der anhaltenden Bewunderung. Das Verlangen nach einer Erhaltung der Beziehung zeigen auch noch andere Textstellen, beispielsweise der Ausspruch „Wir müssen und Wiedersehen, Stella“ (Z.62) der von Ihm nach der Nacht im Hotel getroffen wird. Das Zitat „An der Tür blieb ich stehen, ich dachte, daß etwas gesagt werden müsste[…], ich unterließ es, weil ich es vermeiden wollte, etwas Endgültiges zu äußern oder was Stella als etwas Endgültiges auffassen könnte, ich wollte nicht, daß etwas aufhörte, das so unvermutet begonnen hatte und wie von selbst nach Dauer verlangte“ (Z. 54-58) spiegelt einerseits wiederum die Unsicherheit des Protagonisten wieder, außerdem zeigt sich bereits hier, dass sich Christian eine dauerhafte Beziehung wünscht. 245 (1. Figur)

Will man die Figur der Stella beschreiben, fällt auf, dass der Text nur wenig über Ihr Äußeres preisgibt. Lediglich die Formulierung in Zeile 9 („Dein kurzes schwarzes Haar“) gibt Auskunft über die Beamtin. Analysiert man jedoch die inneren Überzeugungen so lassen sich einige Eigenschaften feststellen, die im Gegensatz zu denen des Schülers stehen. Zwar hat Sie anscheinend den Aufenthalt im Hotel genossen, da Sie Christian mit „Aber wir können uns doch wiedersehen.“ „Wir werden es“ (Z.65f.) verabschiedet, allerdings hegt Sie bereits früh Misstrauen bezüglich der Alltagstauglichkeit dieses Verhältnisses (Z.66f. „Doch es kann nicht so sein wie früher.“). Auch als der junge Mann nach der gemeinsamen Nacht auf ein Zeichen Ihrerseits hofft, enttäuscht Sie Ihn (Z.74f. „Auch nach der Stunde, auf dem Korridor, gingst du an mir vorbei, ohne den Blick zu heben“). Im Verlauf des Textes wird immer deutlicher, dass Frau Petersen im Gegensatz zu Ihrem Liebhaber keine dauerhafte Beziehung wünscht. 151 (2. Figur)

Vergleicht man letztlich beide Charaktere kann eine überwiegend kontrastierte Beziehung erkannt werden. Während Christians Einstellung zu der Beziehung und sein Wunsch danach in allen Teilen des Novellenauszugs belegt werden kann, ist die Figur der Lehrerin weniger statisch. Zunächst ist Sie von dem Reiz der Affäre angetan, auch, oder gerade weil Ihr die Brisanz dieser durchaus bewusst ist. Allerdings gerät im weiteren Handlungsstrang  eine gewisse Dynamik in die Figur, Stella erkennt, dass die Beziehung keine Zukunft haben kann, also siegt letztendlich die Vernunft über Ihre vorherigen Glücksgefühle, die der Reiz des Verbotenen ausgelöst hatte. 93/800 Wörter (Vergleich und Gesamtwürdigung)